Samstag, März 14, 2009

Nach Killerspielen nun Psychopharmaka

Mein Aufreger heut morgen schwillt schon einige Tage. Auch ich wollte nichts zu dem Amoklauf in Winnenden schreiben, weil ich einfach keine Ahnung habe, wie es vor Ort war und auch nicht weiß, was Menschen zu so etwas bewegt. Und schließlich haben sich über die alberne Farce “Killerspiele sind schuld” gab es genügend qualifizierte Wortmeldungen.

Warum ich jetzt doch das Bedürfnis habe, mich zu äußern, liegt daran, dass langsam Schwachsinn über eine Sache geschrieben und geredet wurde, von dem ich Ahnung habe: Depressionen und Psychopharmaka.

Neuerdings ist nämlich entweder Ersteres oder Zweiteres oder gleich beides schuld am Amoklauf. Natürlich bin auch ich der Meinung, dass psychisch stabile Menschen eher nicht auf den Gedanken eines Amoklauf kommen, oder falls mal doch die Emotionen überkochen und ein gedankliches Massaker vielleicht auch etwas Entspannung bringt, so werden sie es nicht in die Tat umsetzen.

ABER und das ist ein sehr großes aber, weiß ich auch sehr gut, dass sicherlich nicht jede Mensch mit psychischen Problemen seine Mitmenschen umbringen will oder wird. Teilweise werden Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen mit tickenden Zeitbomben verglichen, bei denen es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis diese anfangen wild um sich zu schießen.

Teilweise sind nun die Psychopharmaka die Auslöser, die Wurzel des Bösen, die jeden Einnehmer zu einem Massenmörder werden lässt.

Und so falsch wie diese Ansichten sind, so sind sie auch sehr gefährlich. Denn sie schüren sowohl die Angst vor Menschen, die psychische Probleme haben und schieben diese so in das soziale Abseits. Jeder logisch denkender Mensch wird mir wohl zustimmen, dass das Problem sowohl für die Betroffenen als auch für die Gesellschaft nur verschärft.

Außerdem erhöht solche Panikmache auch noch die Hemmschwelle, sich bei psychischen Probleme fachliche Hilfe zu suchen und sich in Behandlung zu begeben und auch Psychopharmaka als Unterstützung zu nehmen. Die Tabletteneinnahme ist sicherlich nicht das Allheilmittel, doch häufig schaffen sie zumindest eine solche Erleichterung, dass das tägliche Leben nicht mehr eine Qual darstellt und klärt den Kopf soweit, dass man sich seinen Problemen stellen kann und die Ursache angehen.

Wird diese Schwelle erhöht, wird es die Lage nur noch prekärisieren. Ganz sicher werden diese Menschen noch verstärkt isolieren und womöglich irgendwann den Suizid als einzigen Ausweg sehen. Und ich wage zu behaupten, dass dann Amokläufe wohl auch häufiger vorkommen.

Ich habe mal die Tendenz eines umbefangeren Umgang mit psychischen Problemen verspürt. Insbesondere war und ist dies auch dem Mut solcher in der Öffentlichkeit stehenden Menschen, wie Sebastian Deisler, die sich öffentlich zu diesen Erkrankungen bekannt haben.

Kommentare:

Caoss hat gesagt…

meine kusine geht auf die schule in winnenden an der der amoklauf stattfand (ihr ist nichts passiert). dort fragt keiner danach ob die medikamente des täters falsch eingestellt waren, es verteufelt keiner depressionen oder psychopharmaka. und das ist auch in den medien nicht so. der ton ist eher "wenn er sich hätte helfen lassen, wäre vielleicht nichts passiert."
ich weiss es nicht, aber ich weiss das dieser eine wahnsinnige, ob man ihn nun depressiv, gestört, krank oder wahnsinnig nennt, der sich als lebensopfer gesehen hat, viel zu vielen menschen das leben zerstört hat.

AnKa hat gesagt…

Es ist einfach schrecklich, was da passiert ist und der Täter ist ganz sicher extrem gestört gewesen. Und es ist auch klar, dass dort für niemanden mehr die Welt das ist, was sie mal war und viele Familien zerstört sind.

Und ich weiß leider auch nicht, wie und ob man das verhindern konnte oder zukünftige Amokläufe verhindern kann.
Ich bin mir aber auch sicher, dass Killerspiele oder Psychopharmaka ganz sicher nicht der Grund für Amokläufer sind.

Und bezüglich, das ist in den Medien nicht so: google mal Winnenden und Psychopharmaka.